Erfahrungsbericht von Christin Hohmann

Ich hatte die Möglichkeit im Rahmen meiner dreijährigen Ausbildung zur Ergotherapeutin, ein Praktikum im Haus des Lebens, „Besondere Wohnform für psychisch kranke Menschen“, absolvieren zu können. Der Zeitraum betrug drei Monate (07.01.19 bis 22.03.19)

In dieser Zeit durfte ich mir einen umfassenden Eindruck darüber machen, welche Aufgabenbereiche mein zukünftiger Beruf beinhaltet. Während des gesamten Praktikums wurde ich von den Ergotherapeuten vor Ort begleitet, worüber ich sehr dankbar war.

Aufgabenbereiche:

  • Die verschiedenen ergotherapeutischen Schwerpunkte im Haus, beginnend mit der Arbeitstherapie, mit sich anschließenden kreativen, handwerklichen und gestalterischen Therapieangeboten, bis hin zu den verschiedenen freizeitpädagogischen Maßnahmen.
  • Das Leiten einzelner Gruppen im Bereich Arbeits- und Beschäftigungstherapie, der Bereich unterschiedlicher offener Gruppen am Nachmittag, Kegeln, Schwimmen und der Backgruppe
  • Teambesprechungen in beiden Wohnheimen
  • Begleitung und Durchführung von Einzeltherapie- Angeboten
  • Supervision
  • Begleitung einer Bewohnerin zur selbständigen Renovierung einer Wohnung
  • Mitgestaltung, Planung und Durchführung eines offenen Kreativnachmittags am WE
  • Betreuungstätigkeiten außerhalb der Tagesstruktur in den Haupthäusern (Wohnheimen)


Resümee:

Da ich mir im Vorfeld im Rahmen des Hospitationstages schon ein Bild der Praktikumsstelle machen durfte, war ich positiv gestimmt und startete mit einem guten Gefühl.

Aufgrund leichter Orientierungsprobleme fiel es mir zu Anfang schwer, mich im Haus zurecht zu finden und mir zu merken, welcher Bewohner in welcher Wohnung wohnt. Mit Notizen und Geduld wurde dies jedoch schnell besser.

Das Team des Haus des Lebens hat mich super freundlich aufgenommen und war immer für Fragen meinerseits offen. Der gesamte Umgang im Team hat mir sehr gut gefallen. Ich habe mich sehr wohl und auch wertgeschätzt gefühlt.

Ich hatte die Möglichkeit, schnell Verantwortung zu übernehmen. Dies konnte ich z.B. im Anleiten der Backgruppe, welche ich zuvor selbstständig geplant habe, umsetzen. Diese Verantwortung war zunächst auch mit Bedenken verbunden. Dies konnten aber durch die konkrete Arbeit mit den Klienten aus dem Weg geräumt werden. Dabei half mir auch die Vorbereitung aus dem Unterricht, um die Theorie in der Praxis umzusetzen und die gute Rücksprache mit dem Team der Ergo.

Im Vergleich zum vorherigen Praktikum im Altenheim, wo eine andere Nähe zu den Bewohnern stattfand, musste ich mich erst einmal umgewöhnen. Dies gelang mir zu meiner Verwunderung recht schnell. So glitt mir nur vereinzelt das ,,du“ über die Lippen. Auch der körperliche Umgang mit den Klienten war ein anderer. So kamen im Altenheim oft Bewohner auf mich zu, um mich zu drücken. Oder man ging händchenhaltend spazieren.

Das ist hier anders. Ich ertappte mich dabei, als eine Bewohnerin völlig aufgelöst in die Ergo kam und stark weinte, nicht sofort aufzuspringen und sie in den Arm zu nehmen.

Um jedem Klienten möglichst unvoreingenommen zu begegnen und mir erst einmal ein eigenes Bild machen zu können, habe ich mich entschlossen, nicht direkt zu Anfang in den Akten zu lesen.

Natürlich kamen im Verlauf des Praktikums auch vereinzelt Ängste und Zweifel bzgl. der Berufswahl auf, von denen ich nicht verschont geblieben bin. Es ist jedoch meines Erachtens wichtig für den Professionalisiserungsprozess, dass sich jeder Therapeut  immer wieder reflektiert und seine Rolle hinterfragt und Möglichkeiten abwägt. So zum Beispiel in Situationen wie das Vorbereiten des Frühstücks, in der auch meine Sichtstunde stattfand. Diese Zweifel konnte ich mit meinem Anleiter besprechen.

Letztendlich bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass mich das Praktikum weitergebracht hat. Nicht nur dahingehend, dass es mich bestärkt hat, die richtige Berufswahl getroffen zu haben. Vielmehr habe ich eine neue Stärke in mich selbst sowie andere Sichtweisen bzgl. meiner Stärken und Schwächen aufgezeigt bekommen.

Herborn, den 21.10.21

Kontakt

"Haus des Lebens" gGmbH
Besondere Wohnform für psychisch kranke Menschen
Frau Elvira Seitz
Einrichtungsleitung
Kaiserstr. 25
35745 Herborn
E-Mail:e.seitz(at)hausdeslebens.de